Sein Name ist Timoteo. Er lebt in der Schweiz, versucht aber therapeutisch seiner Herkunft als Schamane gerecht zu werden. Ich habe ihn an der letzten „Art of Life“-Mesae in Bern kennengelernt, wo er mit einem Zelt-Stand vertreten war. Timoteo gehört zum Indianerstamm der Ashaninka (Campas). Geboren wurde er im Amazonasgebiet von Peru in San Pedro. Leben hat im Amazonas einen besonders hohen Stellenwert: Alles dort ist ein Zeichen. Alles birgt und verströmt Geheimnisvolles. Es gibt viele seltsame und ungewöhnliche Dinge dort. Ein jedes ist ein Mysterium. Die amazonische Natur lebt uns in jedem Moment eindrücklich vor, dass wir in keinem materiell stabilen Universum wohnen, sondern in einem grossen Feld sich permanent verändernder, dynamischer Energie leben. Mit diesem sind wir existenziell verbunden. Ein Zitat aus seiner Philosophie: «Das bist du. Dein wahres Selbst ist identisch mit der höchsten Energie, die sich in allen Dingen des Universums manifestiert.» Es lauern viele Gefahren im artenreichen Regenwald. Wachsam-Sein und Eigen-Verantwortung sind unabdingbar, um überleben zu können. Herausforderungen, bei denen es um Leben oder Tod geht, formen das Bewusstsein seines Volkes. Die Indigen kennen keine Ideologien und gesellschaftlichen Zwänge. Das aufmerksame Miteinander steht im Vordergrund, wobei jedes individuelle Naturell und sein Drang nach Freiheit respektiert wird. Den scheinbar bedeutungslosesten Interaktionen zwischen Menschen und seiner Umgebung begegnen sie achtsam. Die Schatten lassen wir sie und lernen, sie im Leben zu integrieren. Das bestimmt ihre Lebenshaltung. Diese Lebensschulung, innere Freiheit als Gabe des Lebens sowie Berufung, machten Timoteo zum Heiler. Sein Vater war auch Schamane. Er führte ihn bereits als Kind in diese uralte Heilkunst ein. Der Schamanismus ist eine mögliche Erkenntnisform unter vielen. In ihrem Weltbild gibt es zwar keinen Gott, aber eine Kraft, die alles in Bewegung hält. Hinter dieser Kraft steht ein bewusster Geist, der aus der Quelle allen Seins fliesst. Darum ist der Geist, die Matrix aller Materie. Timoteo erkennt, dass jedem Kieselstein, Grashalm, Wassertropfen oder noch so unscheinbarstem Tierchen dieser Geist als Essenz des Lebens innewohnt. Alles ist demnach existenziell miteinander verbunden. Das gesamte Universum trägt zum kleinsten Detail bei. Niemand ist alleine.
Das Volk der Ashaninka wurde ursprünglich Kampa genannt. Es lebt in drei Ländern Südamerikas: Peru, Brasilien (im Bundesland Acre) und Bolivien. In Brasilien leben circa 870 Ashaninka (CPI-AC, Stand 2004) und in Peru schätzungsweise 51.000 (1993). Sie gehören der Sprachfamilie Aruak an. Die Ashaninka bekämpfen die Invasoren seit der Zeit der Ankunft der ersten Europäer in Südamerika und der Zeit der Gewinnung von Kautschuk bis ins 19 Jahrhundert hinein. Seit den 80er Jahren kämpfen die brasilianischen Ashaninka gegen Invasionen von weißen Brasilianern und peruanischen Holzabbaufirmen in ihr Gebiet. Die Ashaninka sind dafür bekannt, stolz auf ihre Kultur zu sein, und lieben die Freiheit. Der Anthropologe José Pimenta schreibt, ihre Fähigkeit sei bewundernswert, die traditionellen Sitten und Werte mit Ideen und Elementen der nicht-indigenen Welt zu vereinigen – ebenso bewundernswert wie ihre Vorgehensweisen zu einer nachhaltigen Nutzung der Umwelt.
Die „offizielle indigene Bewegung” bei den Ashaninka begann Mitte der 80er, als der Holzabbau in der Region seinen Höhepunkt erreichte. José Pimenta berichtet, dass vor diesem Hintergrund der Eingriff der Funai als eine neue Epoche angesehen wurde – und zwar als die „Zeit der indigenen Rechte”, die durch die politische Bewusstseinsbildung, den territorialen Kampf und die Vertreibung der Weißen gekennzeichnet war. Die Funai, die „Fundação Nacional do Índio“, ist die heute dem brasilianischen Justizministerium unterstellte Organisation zum Schutz der indigenen Völker. Wer mehr über den Schamanismus und Timoteo erfahren möchte, kann seine Webseite besuchen.























14. Januar, 2009 um 6:30
Hey Du
Danke, dass du den Text über Timoteo veröffentlicht hast. Schade ist nur, dass Du nicht von Deinen eigenen Erfahrungen berichtet hast. Hätte mich interessiert.
Gruss Ichiko
23. Februar, 2009 um 8:53
Hi,
ich habe Timoteo 2007 auf einer Messe mit seinem Zelt getroffen. obwohl ich schon Kontakt zu anderen außergewöhnlichen Menschen hatte war ich doch von seiner Reinigungsarbeit sehr beeindruck und fühle noch heute 2009 eine Nachschwingung seiner Arbeit.