Heilkräuter aus China und ihre Bedeutung

Wie Welt-Online berichtet, bemüht man sich in Deutschland seit Jahren um den Eigenanbau von besonders häufig verwendeten TCM-Pflanzen. Diese sind dann in der Regel nicht nur weniger mit Schadstoffen belastet als die chinesischen Importe, sondern auch, trotz des mitteleuropäischen Klimas, von ähnlicher medizinischer Wirksamkeit. Näheres dazu erfährt man bei der Deca (Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial der Chinesischen Arzneitherapie). Hier eine Uebersicht der populärsten chinesischen Kräuter:

Chinesische Yamswurzel. Bei Durchfall und Nierenschwäche, aber auch bei nächtlichen Samenergüssen soll die Chinesische Yamswurzel, Dioscorea opposita, helfen. Yams ist Bestandteil der „Tablette der acht Zutaten“, die in China traditionell bei Schilddrüsenunterfunktionen, Nierenentzündungen und Diabetes zum Einsatz kommt. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es allerdings nur wenige. Immerhin geben Laboruntersuchungen der bis zu zwei Meter langen, unterirdisch wachsenden Knollen Hinweise darauf, dass die Chinesische Yamswurzel den Blutzuckerspiegel von Diabetikern stabilisieren helfen könnte.

Chinesische Jujube. Vertraut man der traditionellen chinesischen Medizin, dann können die Früchte der Chinesischen Jujube, Ziziphus jujuba, „die neun Öffnungen klären“, die den Menschen mit der Außenwelt verbinden. Dazu gehören beispielsweise Augen, Ohren und Nase, aber auch Hals und After. In Australien gibt es einen jujubehaltigen Softdrink, der gegen Stress helfen soll – sozusagen ein Gegenentwurf zu den koffeinhaltigen Energy-Drinks. Taiwanische Wissenschaftler haben mittlerweile Hinweise darauf gefunden, dass die getrockneten, dattelähnlichen Früchte das Darmmilieu stabilisieren.

Chinesische Engelwurz. Die Wurzeln der Chinesischen Engelwurz, Angelica sinensis, enthalten pflanzliche Östrogene, die ihren traditionellen Einsatz bei Menstruationsbeschwerden rechtfertigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Pflanze Allergien dämpft und bei Blutarmut hilft. Der letztgenannte Effekt kommt vermutlich daher, dass die Chinesische Engelwurz große Mengen an Vitamin B12 enthält. Vitamin B12 ist ein blutbildendes Vitamin, das man sonst in Tieren und nur sehr selten in Pflanzen findet. Angelica eignet sich deshalb als gute und empfehlenswerte Nahrungsergänzung für Vegetarier.

Beifuß. Wir zählen den Beifuß, Artemisia vulgaris, heute eher zu den Unkräutern, doch in der traditionellen chinesischen Medizin hat er seine Bedeutung nie verloren. „Seine Blätter werden dort mit Wasser zerstampft und zu Kegeln – sogenannten Moxa – geformt, die auf der Haut des Patienten abgebrannt werden“, erklärt Claudia Richter, Medizinhistorikerin von der Universität Würzburg. Ziel dieser Behandlung sei die Zufuhr von Wärme bei kältebedingten Leiden, zu denen laut TCM vor allem Erbrechen und Durchfall sowie die Geburtswehen gehören.

Ginkgo. Ursprünglich wurden vom Ginkgo, Ginkgo biloba, auch in der TCM nur die Nüsse verwendet. Später entdeckte man dann die medizinischen Potenziale seiner Blätter: Sie fördern die Hirndurchblutung und machen die Hirnzellen widerstandsfähiger gegenüber Sauerstoffnot. Ob sie allerdings auch vor Alzheimer und Demenz schützen, ist umstritten. Dafür zeigte sich eine Ingwer-Ginkgo-Kombination in Studien als Option im Kampf gegen Ängste. Das vermutliche Wirkprinzip: Ingwer enthält angstlösende Substanzen, und Ginkgo sorgt als „Durchblutungsbooster“ dafür, dass diese Substanzen zu den Hirnzellen kommen.

Wu-Wei-Zi. Die roten Beeren der Pflanze Wu-Wei-Zi, Schisandra chinensis, gelten als wirksames Mittel gegen Leberentzündungen. Der Pharmakologe Alexander Panossian vom Erebuni Medical Centre im armenischen Eriwan fand aber auch „adaptogene Qualitäten“. Das heißt im Klartext: Schisandra schützt den Körper, und hier vor allem das Gehirn, vor Stresshormonen. Dieser Effekt sorgt letzten Endes für ein gutes Gedächtnis und für klare Gedanken, denn gestresste Hirnzellen funktionieren ziemlich schlecht. Ein Effekt, den jeder bestätigen kann, der beispielsweise schon einmal wegen Prüfungsangst versagt hat.

Ginseng. Von Ginseng, Panax ginseng, werden die Wurzeln verwendet. Sie gelten hierzulande schon länger als Stärkungsmittel. Oft wird der Ginseng dabei mit anderen Kräutern wie Johanniskraut und Weißdorn oder sogar Vitaminen kombiniert, was von Pharmakologen eher skeptisch beurteilt wird. Nichtsdestoweniger ist Ginseng als Heilmittel mittlerweile wissenschaftlich gut dokumentiert. So half er in einer Studie der Universität Mailand bei Bronchitis, und Wissenschaftler der Universität von Toronto fanden heraus, dass er den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Patienten stabilisieren kann.

Ingwer. Chinesen und andere Asiaten sind deutlich anfälliger für See- und Flugkrankheit als Europäer und Amerikaner. Doch sie helfen sich schon seit Jahrtausenden, indem sie vor Reiseantritt etwas Ingwerwurzel, Zingiber officinale, zerkauen oder in ihr Essen reiben. Wissenschaftliche Studien bestätigen mittlerweile dieses Einsatzgebiet, wobei der traditionsreichen Wurzelknolle zugutekommt, dass sie auch nervöse Unruhe dämpfen kann. Laut einer Studie der australischen Universität Adelaide reicht zudem schon ein Gramm Ingwer pro Tag, um Schwangerschaftsübelkeit zu lindern.

Kalmegh. Das unscheinbare, zu den Bärenklaugewächsen zählende Kraut Kalmegh, Andrographis paniculata, wird auch in der Ayurveda-Lehre angewendet. In einer armenischen Studie konnten Forscher zeigen, dass Kalmegh Erkältungssymptome wie Halsschmerzen und verstopfte Atemwege lindert. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkstoffe der Pflanze im Laufe der Evolution tatsächlich einen Weg gefunden haben, dem überaus vielfältigen Heer der Schnupfenviren und Erkältungsbakterien effizient beizukommen. Kalmegh wird auch Indische Echinacea genannt, zu Recht – da sie wie auch der bei uns heimische Sonnenhut offenbar das Immunsystem stärkt.

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