Warum waren Dinosaurier so gross?

Sie waren die gewaltigsten Lebewesen, die jemals den Erdboden unter ihren Füßen erzittern ließen – und sie trieben den Körperbau von Wirbeltieren an die Grenzen des physikalisch Möglichen: Sauropoden, die fast 40 Meter lang, 17 Meter hoch und bis zu 100 Tonnen schwer werden konnten. Doch derartig groß zu sein, bringt eine ganze Reihe von physikalischen Problemen mit sich. Lange haben Biologen und Paläontologen gerätselt, wie es möglich ist, dass Tiere von den Ausmaßen der Sauropoden überhaupt lebensfähig waren. Aber es gab sie nun einmal – und deshalb gehen Forscher von acht Universitäten in Deutschland und der Schweiz seit 2004 im Projekt „Evolution des Gigantismus“ der Frage nach, warum und vor allem wie die vor über 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Sauropoden so groß geworden sind. Jetzt präsentieren zwei der Wissenschaftler erste Ergebnisse. Demnach gab es drei Hauptgründe für den Gigantismus:

  • Der Verzicht der Tiere auf das Kauen von Nahrung,
  • ihre vogelartigen, im ganzen Körper verteilten Lungen,
  • eine flexible Stoffwechselrate.

Die riesigen Pflanzenfresser haben ihr Futter nicht gekaut, sondern es einfach heruntergeschlungen, schreiben Martin Sander von der Universität Bonn und Marcus Clauss von der Universität Zürich im Fachmagazin „Science“. Deshalb benötigten die Tiere keine Zähne, die den Kopf mit steigendem Körpergewicht überproportional größer gemacht hätten. Dies wiederum ermöglichte sehr lange Hälse, gegen die selbst die Hälse von Giraffen oder Kamelen geradezu gedrungen wirken. Auf diese Weise konnten die Sauropoden Futter erreichen, an das andere Tiere nicht herankamen. Die Verdauung erledigten die Riesensaurier mit einer langen Verweildauer der Nahrung in ihren Därmen, so die Forscher. Faktor Nummer zwei beim enormen Wachstum waren die hochentwickelten, vogelähnlichen Lungensysteme der Sauropoden. In den Knochen der Saurier wurden zahlreiche Hinweise auf ein Luftsacksystem wie bei den Vögeln gefunden. Die im ganzen Körper verteilten Luftsäcke hatten mehrere Vorteile: Sauerstoff gelangte schnell überallhin, und die große innere Oberfläche half, die beim Stoffwechsel produzierte Hitze abzuleiten. Auch wurde dank der Luftsäcke der gewaltige Hals möglicherweise leichter. Die Hälse von Sauropoden sind nur ein Beispiel dafür, in welche Erklärungsnöte die Riesensaurier die Experten stürzen. So ist etwa umstritten, ob die Dinos ihre Hälse überhaupt in die Höhe recken konnten, wie in Fantasy-Filmen à la „Jurassic Park“ zu sehen. Schon Menschen wird mitunter schwarz vor Augen, wenn sie morgens zu schnell aufstehen – und hier verändert sich der Höhenunterschied zwischen Herz und Hirn nur um Zentimeter. Bei einem Sauropoden konnten es leicht zehn Meter sein. Bei dem dafür notwendigen Blutdruck und der entsprechenden Leistungsfähigkeit des Herzens stoßen die Theoretiker schnell an die Grenzen des Denkbaren.

Eine andere von den Forschern diskutierte Eigenschaft ist eine möglicherweise flexible Stoffwechselrate der Sauropoden. Sie ist nicht mit Fossilien belegt, ergibt sich den Wissenschaftlern zufolge aber aus einem logischen Dilemma. Denn einzelne Tiere brachten es in nur 20 bis 30 Jahren vom Zehn-Kilogramm-Winzling zum 50-Tonnen-Giganten. „Ein solches Wachstum ist ohne eine säugetierähnliche Stoffwechselrate nicht denkbar“, schreiben die Forscher. Doch das wirft ein neues Problem auf: Berechnungen zeigen, dass ein ausgewachsener Sauropode mit einem solchen Stoffwechsel überhitzen würde. Eine mögliche Erklärung wäre laut Sander, dass die Stoffwechselrate mit zunehmender Körpergröße sank. Allerdings räumt er ein, dass „ein Äquivalent dazu im heutigen Tierreich nicht bekannt ist“. Die Riesendinosaurier dominierten die Ökosysteme für mehr als hundert Millionen Jahre und bildeten 120 verschiedene Gattungen. Ein Geheimnis dieses Erfolgs war nach Meinung der Forscher die Tatsache, dass sie Eier legten und damit die für die Fortpflanzung benötigte Energie nicht nur in ein einziges Jungtier steckten. Wenn eine Naturkatastrophe die Population deutlich reduzierte, konnten auch wenige Elterntiere schnell viele Nachkommen produzieren. „Dies ist ein wichtiger Grund für den langen, bisher ungebrochenen Überlebensrekord des Modells Dinosaurier“, sagte Clauss.

Eine Frage wartet jedoch weiterhin auf eine abschließende Antwort: Warum wurden die Sauropoden so groß? Haben Raubtiere die Pflanzenfresser gezwungen, sich mit monumentalem Körperbau unangreifbar zu machen? War es der Kampf um Nahrung, der immer längere Hälse zum entscheidenden Evolutionsvorteil werden ließ? Erlaubte die ungeheure Körpermasse eine bessere Temperaturregulierung und schnellere Anpassung an Klimaschwankungen? Vorerst, so viel scheint klar, werden die Saurier ihre Faszination nicht verlieren. (Quelle: spiegel online/Photo: dpa)

3 thoughts on “Warum waren Dinosaurier so gross?

  1. Lieber „Kedar”,
    im Artikel „Warum waren Dinosaurier so groß” hat uns das Dino-Foto sehr gut gefallen. Wir würden es gerne für die Erstausgabe unserer neuen Zeitschrift „dialog-in-bildung.de” verwenden und auch ein Poster (A3) davon machen lassen (beides mit der Aufschrift: ”Zu dumm für Mathematik? Ausgestorben. Hätte er am Pangea-Mathematikwettbewerb teilgenommen, wäre ihm das nicht passiert“. Wir sind ein eingetragener Bildungsverein, vom Finanzamt als gemeinnützig eingetragen und könnten Ihnen als Gegenleistung eine Spendenbescheinigung für eine Sachspende geben. Geld wird mit Zeitschrift oder Poster keines verdient (geht alles zum Selbstkostenpreis oder über Sponsoren auch kostenlos an Schüler). Ich informiere Sie gerne detaillierter und sende Ihnen einen Entwurf. In der Hoffnung auf eine positive Antwort: m. f. G. Gerhard Rudi Pelz, Academy e.V.

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