Achill Moser: Zu Fuss durch die Sahara

Mit seinem Vollbart erinnert Achill Moser ein wenig an Reinhold Messner. Wie der Bergsteiger die welthöchsten Gipfel gestürmt hat, hat Moser fast alle Wüsten der Erde durchwandert, mehr als 17.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Erst war es nur die Lust auf Abenteuer, Einsamkeit und spannende Begegnungen, die ihn trieb. Dann entdeckte er, dass man von den Entdeckungsreisen auch leben kann. An Hochglanzmagazine verkauft er seine Fotos und Reisereportagen, geht mit Diashows auf Tour. 24 Bücher hat er über seine Reisen bislang geschrieben. Seine Leidenschaft für die Einöde entdeckte Achill Moser als 16-Jähriger. Mit dem Zug fuhr er auf eigene Faust bis Marokko: „Ich zog mit einer Beduinen-Karawane von Marrakesch in die Sahara, saß abends am Lagerfeuer, sog die Landschaft in mich auf.“ Er blieb damals zwei Wochen länger als geplant. „Das gab mächtig Ärger in der Schule“, erinnert er sich. Mit dem Anpassen hatte er damals Schwierigkeiten: Siebenmal flog er von der Schule. Sein Abitur machte er dennoch, studierte dann Wirtschaftswissenschaften, Afrikanistik, Ethnologie und Arabisch. Achill Moser ist ein Mann, der zwei Leben lebt. Eines als einsamer Wüstenwanderer, eines als Großstadtbürger und Familienvater.

„Kein Mensch hat je diese nordafrikanische Längsdurchquerung der Sahara zu Fuß und per Kamel geschafft“, sagt Moser. Seit Mai ist er nun schon unterwegs, oft zu Fuß und allein, teilweise auf dem Kamel und mit einem einheimischen Begleiter. Vier Länder hat bisher durchquert: Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Hinter ihm liegen Gewaltmärsche durch die hochsommerliche Sahara: Bis zu 70 Kilometer pro Tag zu Fuß, mit 15 Kilogramm Gepäck im Rucksack, bei sengender Sonne und nachts unterm Sternenhimmel. Beim Laufen und in der Einöde findet er zu sich selbst. „Zu Fuß kann auch die Seele Schritt halten“, ist Moser überzeugt. „Hier kann ich nachdenken, habe unendlich viel Zeit und bin nicht von materiellen Dingen abgelenkt.“ Die Einsamkeit hat für ihn etwas Meditatives. Nicht umsonst hätten die drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam ihren Ursprung in der Wüste. „Viele Menschen geraten in unserer rasanten, hochtechnisierten Zeit irgendwie aus dem Takt“, sagt Moser. Er selber findet zwischen Sand, Felsen und Geröll seinen Rhythmus wieder. „Die Wüste birgt alles, legt alles in dir frei, wenn du dich nur darauf einlässt: Von größten Glücksgefühlen bis zu dunklen Angstzuständen.“

Die Sahara-Durchquerung hat Achill Moser jahrelang vorbereitet. Es ist seine weiteste und teuerste Tour, die Krönung all seiner Reisen, wie die Everest-Bezwingung für einen Bergsteiger. Er hat gelesen über die alten Karawanenwege, über versunkene Handelsstädte und Kultstätten. Dem Abenteurer geht es bei der Tour weniger um die sportliche Extremleistung. Er will die Faszination der Landschaft erleben und davon erzählen und die Vergangenheit der Region ein Stück weit lebendig machen. Die alte Karawanenstraße von Marokko nach Ägypten, die „Trans-Sahara-Route“, ist schon seit langem vergessen und verwaist. „Da, wo ich langgehe, ist heute nichts. Meist nicht einmal eine Piste.“

Derzeit wandert Achill Moser auf der letzten Etappe seiner Sahara-Tour durch Ägypten. Wenn er Anfang November wieder daheim ist, muss er Dias entwickeln, sichten und sein Buch schreiben. Pläne für eine neue Wüstenexpedition hat er keine. Nicht ausgeschlossen aber ist, dass sein Sohn Aron irgendwann in die Fußstapfen des Vaters tritt. Er hat die Herbstferien für einen Flug an den Nil genutzt. Schon zum dritten Mal begleitet er seinen Vater auf einer Etappe durch die Wüste. Das letzte Wegstück gehen beide auch auf dieser Reise gemeinsam. (Quelle: Spiegel online/Jan Dube, dpa)

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