Oesterreicherin bezwingt längsten Lauf der Welt in Queens, New York

Es ist Sonntag, 6 Uhr morgens am 12. Juni 2011. Während die meisten noch schlafen und einen entspannten, freien Tag vor sich haben, steht die Österreicherin Surasa Mairer in der Millionenmetropole New York an der Startlinie des längsten zertifizierten Laufs der Welt. Der Self-Transcendence 3100-Meilen-Lauf wird hier um einen Häuserblock im Stadtteil Queens zum 15. Mal vom Sri Chinmoy Marathon veranstaltet. 5649 Runden auf der betonierten 883 Meter langen Laufstrecke um die Thomas A. Edison Career and Technical Education High School, einen Sportplatz und einige andere Häuser liegen vor der Ultraläuferin – anders ausgedrückt 118 Marathons hintereinander – fast 5000 km.

Surasa Paula Mairer, ist am 6. März 1959 in St. Justina, einem kleinen Dorf bei Assling in Osttirol geboren und sie hat einiges vorzuweisen. Sie hält die Ultralauf-Weltrekorde für 1000 km, 700 Meilen und 1300 Meilen. Sie ist auch die erste Frau, die einen Marathon rückwärts lief und Rückwärtslauf-Rekorde für 5 km, 10 km und den Halbmarathon aufgestellt hat. Und doch ist es ihr zweiter Versuch. Letztes Jahr schaffte die Osttirolerin auf derselben Runde im Stadtviertel Jamaica von Queens nur 2700 Meilen. Es ist ein unberechenbarer Ultralauf und 2010 machte ihr die extreme Hitze und eine Beinhautentzündung zu schaffen. Nichtsdestotrotz war Surasa die erste Österreicherin, die bei einem Rennen auf einer zertifizierten Strecke 2700 Meilen bewältigte. Und sie ist die zweite Frau, die dies überhaupt je geschafft hat. In den ersten Wochen legt sie dieses Jahr jeden Tag im Schnitt mehr als zwei Marathons zurück – oft sogar bis zu 100 km. Blasen tauchen an ihren Füßen auf, verschwinden von den medizinischen Betreuern behandelt aber wieder – trotz ständiger Belastung. Sie wiederholt Mantren auf der Strecke, darunter ein Gesundtheitsmantra, und einen Aphorismus des spirituellen Lehrers Sri Chinmoy: „Mit absolutem Vertrauen wird das absolut Unmögliche zur absoluten Möglichkeit.“

10 000 Kalorien pro Tag muss die Extremsportlerin zu sich nehmen. So isst sie jede zweite Runde eine kleine Mahlzeit, die sie in einem Plastikbecher mit sich trägt. Pizza, Eiscreme, Reis, Nudeln, Früchte… an eine spezielle Diät hält sich die gebürtige Tirolerin nicht. Sie setzt sich während der über 7 Wochen auf der Laufstrecke zum Essen nie hin, sondern isst nur während sie läuft. Am Ende verliert Surasa trotzdem 3 kg an Gewicht. Eine Laufpause bei Ultrarennen ist für alle Läufer zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens vorgeschrieben. Surasa schläft jeden Tag nur 4 Stunden und wacht aber erholt auf, erzählt sie. In den ersten Tage und kurz vor dem Lauf konnte sie gar nicht schlafen. Die Runden nach Sonnenuntergang sind eine willkommene Erholung für die Läufer, da die Temperaturen im Juli tagsüber meist über 30° Celsius kletteren. Der Sommer in New York im August kann sehr heiß werden und das tut er auch dieses Jahr. Am Tag 41 klettern die Temperaturen bis auf auf 44° Celsius. Am Tag darauf wird der Lauf wegen der Rekordtemperaturen für einen Tag unterbrochen, um Schaden für die Gesundheit der Läufer abzuwenden. Das vorgegebene Zeitlimit, in dem der Lauf bewältigt werden muss, wird wegen der extremen Witterungsverhältnisse um 2 Tage verlängert – von 52 auf 54 Tage.

Plötzlich zwingen starke Schmerzen in der Wade die heute in Wien lebende Sekretärin am Tag 47 nur zu gehen. Es fühlt sich wieder nach einer Beinhautentzündung an, sagt sie. Viel mehr als 30 km pro Tag waren damit im Gehtempo nicht zu schaffen. Der Arzt diagnostiziert einen verletzten Muskel. Nicht einmal 30 Menschen haben es bisher überhaupt geschafft den Mount Everest des Laufens zu bezwingen. Ist das so kurz vor dem Ziel nach 2780 Meilen das Aus für die zweite Frau der Welt, die es gewagt hat, an dem wohl härtesten Ultralauf der Welt teilzunehmen? Die Ärzte sehen es so. Doch wie durch ein Wunder kann Surasa nach 3 Tagen im Gehtempo wieder laufen und spulte dann ihre Runden wieder im gewohnten Durchschnittstempo von 60 Meilen pro Tag ab. Gerade rechtzeitig um den Lauf in der vorgegeben Zeit zu beenden. Als erste Europäerin und als zweite Frau der Welt kommt Surasa Paula Mairer am 4. August gegen 22 Uhr Ortszeit New York ins Ziel. Die 52-Jährige  bewältigt die 3100 Meilen oder 4988 km in 53 Tagen, 15 Stunden, 54 Minuten und 25 Sekunden. Damit überbietet sie den Altersweltrekord von Suprabha Beckjord aufgestellt im Jahr 2008 in 56 Tagen, 17 Stunden, 51 Minuten und 22 Sekunden um mehr als 3 Tage.

Im Ziel angekommen, erklärt Surasa: „Ich habe hin und her überlegt, ob ich die 3100-Meilen noch einmal laufen soll. Als ich mir dann vorgestellt habe wie ich in New York meine Runden drehe, kam große Freude auf. Diese Freude habe ich auch meist während des gesamten Laufs empfunden.“ Während der siebeneinhalb Wochen verschleißt sie 7 Paar Laufschuhe. „Das ist gar nicht so viel“, meint sie, „andere Läufer brauchen zwölf Paar. Das hängt vom Laufstil des Einzelnen ab.“ Vor ihr gelang es nur einer Frau, der heute 55-jährigen Suprabha Beckjord aus Washington, den 3100-Meilen Lauf zu bewältigen. Der Amerikanerin gelang dies dreizehn Mal in Folge zwischen 1997 und 2009 und ihre Weltrekordzeit liegt bei 49 Tagen 14 Stunden 30 Minuten und 54 Sekunden. Nur 10 Ultra-Läufer hatten sich 2011 an das Rennen herangewagt. Acht davon kommen ins Ziel. Der Ukrainer Sarvagata Ukrainskyi aus Berdansk läuft die 3100 Meilen in 44 Tagen, 13 Stunden, 38 Minuten und 52 Sekunden, und landet damit auf Platz 1. Der 37-Jährige lief das Rennen zum ersten Mal und beendete es in Rekordzeit für jemanden, der erstmals an diesem Ultralauf teilnahm. Sein ebenso alter Landsmann Igor Mudryck aus Vinnitsa kommt mit 45 Tagen, 2 Stunden, 30 Minuten und 37 Sekunden als Zweiter ins Ziel.

Der 3100-Meilen-Lauf ist der längste zertifizierte Lauf der Welt auf einem Rundkurs und wurde 1997 von dem spirituellen Lehrer, Friedensvisionär und Sportler Sri Chinmoy ins Leben gerufen. In dem Ashram, einer klosterähnlichen spirituellen Gemeinschaft, in dem er aufwuchs, war er ein exzellenter Fußballer und Volleyballspieler, sowie der beste Sprinter des Ashrams. Im Zehnkampf zeichnete er sich in den späteren Jugendjahren aus. In den 70er und 80er Jahren lief Sri Chinmoy zahlreiche Marathons, Ultramarathons und auch kürzere Distanzen. Sri Chinmoy sah, dass es das Ziel eines Wettkampfs ist, nicht andere zu übertreffen, sondern sich gegenseitig zu inspirieren, die eigenen besten Fähigkeiten zum Vorschein zu bringen. Er formulierte die Erkenntnis „Wenn wir über uns selbst hinauswachsen, erhalten wir Freude in grenzenlosem Maße.“ Diese Philosophie der Self-Transcendence setzte er auch in Laufwettkämpfen um, indem er immer längere Ultralauf-Veranstaltungen ins Leben rief, die jenen Läufern, die die Fähigkeit dazu haben, neue Möglichkeiten eröffnete, über die eigenen Grenzen hinauszugehen.

Die MSNBC Today Show hat einen tollen Videobericht gebracht, den Du hier anschauen kannst:www.msnbc.msn.com

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