Tsunamiopfer nach sieben Jahren wieder bei den Eltern

Vor sieben Jahren spülte der verheerende Tsunami ein kleines indonesisches Mädchen fort. Ihre Eltern dachten, die Tochter sei tot. Nun ist sie als Teenager in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Das Ehepaar Yusniar und Yusuf Yulanda war mit seinen drei Kindern im Dorf Ujong Baroh unterwegs, als die Wassermassen kamen. Es war der 26. Dezember 2004, das Datum sollte in die Geschichte eingehen als der Tag einer der schlimmsten Naturkatastrophen seit Menschengedenken. Meterhohe Wellen überrollten den Ort im Westen der indonesischen Provinz Aceh. Mutter und Vater versuchten, ihre Kinder zu retten, an einen sicheren Ort zu bringen. Doch das Wasser war zu schnell und zu stark für Meri Yulanda, von allen nur Wati genannt. Das kleine Mädchen verlor den Griff um den Arm seiner Mutter, die Wassermassen rissen sie fort. So berichtet es die indonesische Nachrichtenagentur Antara. Sieben oder acht Jahre war sie alt, die Angaben der Nachrichtenagenturen sind nicht einheitlich. Die Eltern konnten Wati auch in den folgenden Tagen nicht finden. Sie dachten, sie sei tot. Ihre Leiche wurde nie entdeckt, vielen Eltern ging es damals so: Tote wurden von den Wellen kilometerweit davon getragen, oder die Strömung zog sie auf das Meer hinaus. Bei den Körpern, die geborgen werden konnten, war eine Identifizierung oft nicht mehr möglich.

Fast auf den Tag genau sieben Jahre später ist Wati wieder mit ihrer Familie vereint, sieben Jahre, in denen die Familie die Hoffnung verlassen hatte. Am Mittwoch kehrte die Teenager nach Meulaboh zurück, so erzählte es der Großvater laut Antara. Auf der Suche nach ihrer Familie war sie demnach in einem Café gestrandet. Dort saß sie laut Antara zunächst einige Zeit herum, ohne ein Wort zu sagen. Schließlich versuchten Personal und Gäste, mit ihr ins Gespräch zu kommen – und Wati erzählte ihre Geschichte. Sie erinnere sich nur an den Namen des Großvaters: Ibrahim. Ein Bekannter berichtete dem Mann davon, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat. Ibrahim dachte laut eigenen Angaben sofort an seine Enkelin – und informierte die Eltern des Mädchens. Yusniar Yulanda konnte ihre Tochter anhand eines Muttermals am Bauch und einer Narbe im Gesicht identifizieren, die sich das Kind im Alter von sechs Jahren zugezogen hatte. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin“, sagte die Mutter. „Ihr Gesicht sieht genauso aus, wie das ihres Vaters“, sagte die Tante des Mädchens, Dede Nurmi, der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Wie Wati den Tsunami überleben konnte und wo genau sie sich in den vergangenen sieben Jahren aufgehalten hat, ist noch unklar. Das Mädchen sei von einer alleinstehenden Frau aufgenommen worden, sagte ihr Großvater Ibrahim am Freitag. Wati habe die Frau, die sich Fatimah nannte, mehrfach darum gebeten, nach Hause zu dürfen, doch ihr seien immer nur falsche Versprechen gemacht worden, so die Tante des Mädchens. Erst kürzlich habe Wati fliehen können oder sei von der Frau freigelassen worden. Anschließend sei sie per Bus von Banda Aceh in Richtung Meulaboh gefahren, berichtete das Mädchen laut Antara. Ein Taxifahrer half ihr schließlich, nachdem sie ihm den Namen ihres Heimatorts genannt hatte. So kam sie zurück nach Meulaboh, erst ins Café, dann zu ihrer Familie. (Quelle: Spiegel online/Foto © by AFP)

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