Heute ist Welttag der Dankbarkeit

Meditationslehrer Sri Chinmoy (1931 – 2007)

Bitte, danke, guten Tag, auf Wiedersehen – das gehörte früher mal zum normalen Benehmen. Dankbarkeit, vor allem die ausbleibende, ist jedoch weit mehr als eine Frage der Höflichkeit gegenüber anderen: Dankbarkeit macht den, der sie empfindet – und sich eben nicht bloß aus Höflichkeit äußert – offenbar glücklicher. In einer Umfrage des amerikanischen Gallup-Instituts sagten 67 Prozent der Befragten, Dankbarkeit sei für sie ein ständiges Gefühl. Und 60 Prozent derer, die Dankbarkeit fühlten, erklärten, das mache sie sehr, sehr glücklich.

Von Seneca, dem großen antiken Philophen des Glücks (ca. 4 v. Chr – 65 n. Chr.), ist das Zitat überliefert: „Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“ Jüngere psychologische Untersuchungen bestätigen, dass das Gefühl der Dankbarkeit offenbar wirklich glücklicher macht – und depressive Stimmungen verschwinden lässt. Versuchsteilnehmer, die sich selbst in eine dankbare Stimmung versetzten, waren messbar glücklicher als andere.a

So ähnlich ging der Guru Sri Chinmoy (1931–2007) bei der Eröffnung des „Welttags der Dankbarkeit“ bei den Vereinten Nationen vor, den er mit einer Meditation begann: „Jetzt schau nach innen und finde etwas, für das du dankbar bist, und erinnere dich an dieses Gefühl. Jetzt öffne dich und teile dieses Gefühl mit jedem hier. Wisse, dass jeder in diesem Raum die gleiche Empfindung hat. Ich fühle es! Es spannt sich durch den Raum … Vielen Dank. Dies ist die Grundlage für diesen Tag.“ Heute vielleicht schwer vorstellbar, leitete der indische Guru ab 1970 auf Einladung des damaligen birmesischen UN-Generalsekretärs Sithu U Thant zweimal pro Woche die „Friedensmeditationen der Vereinten Nationen“, an denen UN-Delegierte, Mitarbeiter und Besucher des UN-Hauptquartiers in New York teilnehmen konnten. 1977 entstand daraus der „Welttag der Dankbarkeit“, mit dem damals neun spirituellen Köpfen verschiedener Glaubensrichtungen für ihre großherzigen Gedanken und menschenfreundlichen Werke gedankt werden sollte. „Über eine dankbare Persönlichkeit zu verfügen, könnte dazu führen, bessere Freundschaften zu entwickeln und größeres psychisches Wohlbefinden zu empfinden. Dankbarkeit verhilft zu einer hohen psychische Gesundheit und guten soziale Beziehungen“, so die Psychologen Alex Wood, Alex Linley und Stephen Joseph 2007 in einer Untersuchung. Und: Es sei keineswegs erwiesen, dass Erfolg zu mehr Dankbarkeit führe. Viel wahrscheinlicher sei, so die Psychologen, dass Dankbarkeit den Erfolg begünstige und dieses Gefühl wiederum weiteren Erfolg.

Am glücklichsten macht Dankbarkeit wahrscheinlich, wenn man sie nicht für sich behält, sondern sie zeigen kann. Die kleine Geste im Straßenverkehr lässt einen sich besser fühlen als das schneidige Wissen, dass einem die Vorfahrt ohnehin zustand. Es mag der ironische Gipfel von Büro-Coolness sein, nach einem harten Tag die Kirchenlied-Zeile „Danke für meine Arbeitsstelle“ zu summen. Besser fühlt man sich aber wohl, wenn es einem gelingt, ohne jede Ironie das melancholische „Merci, Chérie“ von Udo Jürgens mitzupfeifen. Von wegen „Merci“: Schokolade ist immer ein nettes Zeichen des Danks, aber etwas einfallsreicher als vorgedruckt darf es dann schon ausfallen, was auch für Blumen gilt.

Und bevor ich es vergesse: Danke fürs Lesen!

QUELLE: RP ONLINE

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