Akira Teruda, Tokyo: „Ich habe keine Angst mehr“

„Der beste Weg zum Glück ist, sich genau so schnell zu verändern, wie sich das Leben selbst verändert“, schreibt der Autor und Geisteslehrer Don Miguel Ruiz. Ich möchte euch sagen, dass ich mich nicht mehr von meiner Angst beherrschen lasse. Ich bin es so satt. Zu erkennen, was passiert, und die Situation einzuschätzen ist etwas ganz anderes, als Angst zu haben. Wenn man Angst hat und traurig ist, kann man das ruhig ausdrücken, aber man sollte sich davon nicht beherrschen lassen. Man kann diese Methode ganz aktuell in dieser Situation praktizieren. Bitte versucht nicht, eure Gefühle oder euer Schuldbewusstsein zu verbergen, denn mit der Zeit würde es nur noch schlimmer. Sprecht offen mit anderen. Niemand lebt für sich allein. Offenbart anderen eure Gefühle und sagt, wenn euch nach Weinen zumute ist, lasst euren Tränen freien Lauf. Achtet auf die Temperatur der Tränen, auf den beißenden Schmerz in der Nase, dann werdet ihr wieder ruhiger, weil ihr wisst, dass euer Körper ganz normal funktioniert. Gott sei Dank seid ihr am Leben, und deswegen empfindet ihr Schmerz und Trauer.

Ich dachte immer, dass ich sofort fliehen würde, wenn bei uns etwas passiert. Aber seit dem Erdbeben hat sich meine Einstellung komplett verändert. Ich fühle mich diesem Land und seinen Menschen so verbunden. Ich liebe dieses Land Japan mehr als zuvor. Und ich liebe die ganze Welt (das gilt übrigens nicht nur für mich, das sagen alle, mit denen ich gesprochen habe). Wir lieben euch, ihr Völker der Welt! Wir danken euch aus tiefstem Herzen für eure Hilfe, für euren Beistand. Eure Freundlichkeit, eure Hilfe, eure Gebete rühren uns zu Tränen, denn wir fühlen eure Menschlichkeit. Vielen, vielen Dank! Bitte betet weiterhin mit uns. In mir sind Schmerzen und Trauer. Es tut so weh, aber ich habe jetzt keine Angst mehr. Was immer passiert, es liegt nicht mehr in meiner Hand. Ich ergebe mich. Ich muss einfach tun, was notwendig ist, beispielsweise an euch schreiben. Ich kann nun die Schmerzen anderer Menschen wirklich verstehen. Als die Amerikaner das World Trade Center einstürzen sahen, als die Iraker ihre Stadt von Bomben zerstört sahen, als die Indonesier ihre verwüsteten Strände sahen, als die Chinesen das furchtbare Erdbeben erlebten – all diese Schmerzen in der Geschichte sind auch die Schmerzen aller anderen Menschen. Es sind eure, es sind meine Schmerzen. Es sind unsere Schmerzen. Spürt ihr sie? Es bedeutet, dass wir miteinander verbunden sind. Wir werden auch das Glück miteinander teilen.

In diesem Moment hat mich gerade ein Freund angerufen, der in Westjapan lebt. Er sagte, ich solle sofort aus Tokio weggehen, bevor es zu spät ist. Ich weiß, viele meiner Freunde sind schon im Begriff wegzugehen. Ich sehe die Nachrichten und höre, dass ein weiterer Reaktor explodiert ist. Vielleicht bin ich zu dumm, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich keine Angst mehr habe. Fürs Erste bleibe ich in Tokio. – Akira Teruda

Akira Kuroda, geboren 1977, gehört zu den bekanntesten Autorinnen ihrer Generation. Ihr Debütroman „Made in Japan“ über eine Gruppe im Ausland lebender japanischer Jugendlicher, die in ihr Heimatland zurückkehren (auf Deutsch beim Maas Verlag erschienen), machte aufgrund seiner drastischen Darstellung von Lebensangst und Ennui Furore. Für den viel diskutierten Bestseller erhielt die Schriftstellerin im Jahr 2000 den renommierten Bungei-Preis. (Aus dem Englischen von Matthias Fienbork/Quelle: FAZ)

Kirschblüten-Euphorie in Japan

kirschbluten

Sie sind seidenweich, nur halb so groß wie ein Daumen und stellen jedes Jahr ganz Japan auf den Kopf: die Kirschblüten. Im Frühjahr brechen von Südwesten bis Nordosten immer mehr zarte Blüten auf, bis sie schließlich millionenfach die Bäume verzieren. Besonders in der Hauptstadt Tokio werden die Kirschblüten im März rund zwei Wochen lang bestaunt, im Sekundentakt fotografiert und bei Sake-Partys in den Parks ausgelassen gefeiert. Schon im Februar steigt die Spannung der Japaner im ganzen Land, bis endlich im Südwesten die ersten Kirschblüten – auf Japanisch: Sakura – zu sehen sind. Dann kennt die Euphorie kein Halten mehr. Die Zeitungen berichten vom Stand der Kirschblüte, die Geschäfte drapieren Kirschprodukte in allen Variationen in ihre Auslagen, im Fernsehen laufen täglich mehrere Sondersendungen. So schicken Zuschauer beispielsweise Fotos von den schönsten Kirschbäumen ihrer Region ein, die von den Moderatoren in hellrosa dekorierten Studios mit respektvollen „Ahs“ und „Ohs“ kommentiert werden. Hausfrauen und professionelle Köche zeigen, wie man selbst Sushi so clever füllen kann, dass sich im Querschnitt ein Kirschbaum zeigt. Und die sogenannte Kirschblütenfront wird überall aufs Genaueste verfolgt. Ähnlich wie beim Wetterbericht zeichnen die Fernsehsender die Entwicklung der Kirschblüte detailliert nach, so dass jeder im Land weiß, wann sie endlich auch zu ihm gelangt. Wer das weltweit einmalige Phänomen der Kirschblüte in Japan einmal selber erlebt hat, versteht die Hysterie. Der Anblick dieser filigranen Blüten bleibt lange im Gedächtnis. So etwas sieht man sonst nirgendwo: Es ist bezaubernd, wunderschön und atemberaubend. Selbst das sonst eher grau wirkende Tokio strahlt plötzlich hellrosa.

In der ganzen Stadt verteilt ist das Spektakel zu bewundern: Zwischen Häuserschluchten, wo sonst scheinbar nur Autoabgase hinkommen, blühen einzelne Sakura-Bäume, und in den zahlreichen Parks lassen die Zierpflanzen die gesamte Umgebung wie eine Traumwelt erscheinen. (Quelle: Spiegel-online)

Neue Mobiltelefone an der High-Tech-Messe CEATEC in Tokio

Auf der japanischen Messe Ceatec (Combined Exhibition of Advanced Technologies) zeigten Hersteller  in den letzten fünf Tagen Mobiltelefone, die für europäische Augen wie reine Science-Fiction anmuten. Ein guter Teil der brandneuen Ceatec-Gadgets dürfte nie über das Prototypen-Stadium hinaus kommen. Das bedeutet, dass eine angekündigte „wahrscheinliche Markteinführung“ 2009 Jahr schon zu den konkreteren Versprechungen gehört. So will Toshiba ein Mobiltelefon verkaufen, das mit einer Direkt-Methanol-Brennstoffzellen (DMFC) sechs Stunden Gesprächszeit ermöglichen soll. Eher als Experiment ist ein Smartphone zu verstehen, dass Fujitsu und der Mobilfunker NTT DoCoMo auf der Ceatec vorgestellt haben. Das Gerät besteht aus zwei Teilen, die sich mittels Magneten auf vielfältige Art und Weise zusammenfügen lassen. Beide Elemente haben großflächige Touchscreen-Displays, das eine wird entweder als Keypad oder Keyboard verwendet, das andere als Haupt-Display. Die flexibel kombinierbaren Gadget-Hälften kommunizieren via Bluetooth miteinander. Der zweite große japanische Mobilfunker KDDI, der als besonders innovativ gilt, wagt sich mit seinen Ceatec-Austellungsstücken sogar noch weiter in den Science-Fiktionen vor: So baut der Entwurf eines Solar-Handys des Designers Hiroano Tsuboi schlicht und ergreifend auf eine hauchdünne Display-Technik, die es „noch zu erfinden gilt“. Aber KDDI zeigt auch Konzepte, die theoretisch mit heutiger Technik realisierbar wären. Beispielweise das Mobiltelefon, das seine Energie aus Solarzellen bezieht, deren Anordnung von Satelliten inspiriert wurde: Die Solar-Panels werden an zwei Seiten vom Handy weggeklappt, womit die doppelte Fläche des Geräts zur Energiegewinnung zur Verfügung steht. Das Programm aus den KDDI-Entwicklungslabors soll alle bekannten Handy-Sensoren wie GPS, Kamera und Gyroskop mit „geomagnetischen Sensoren“ kombinieren, um die Umgebung des Nutzers dreidimensional darzustellen. (Quelle: Spiegel Online)

Meditative Bilder von Tokio – ein empfehlenswertes Video auf vimeo

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Das Videoportal vimeo scheint eine immer grössere Rolle für die Präsentation von interessanten und guten Videoclips zu werden. Vimeo enthält bereits 1.5 Mio. Videos in über 10 000 Kanälen. In der Suchfunktion kannst Du in der Rubrik Videos oder Channels (Kanäle) nach gewünschten Themen oder Stichworten suchen. Zudem hat vimeo die grösste Anzahl von HD-Material online. Einziger Nachteil: sie verwenden den flash-Player und nicht Quicktime, sodass man eine Qualitätseinbusse zur ursprünglich heraufgeladenen Version in Kauf nehmen muss. Wer also ein gutes Video hat, vimeo ist sicher der Platz und setzt sich stark von den populären Platformen wie YouTube ab – in inhaltlicher wie auch in technischer Hinsicht. Beispiel eines vor kurzem auf vimeo erschenen Videos ist dieser Clip des australischen Filmers Sugoi, der mit seiner kleinen Canon HV20 HDV-Kamera Tokio und Umgebung besucht hat und seine Eindrücke auf sehr ruhige meditative Weise präsentiert. Ein Video, das sich anzuschauen lohnt, entweder hier direkt im Blog oder wenn Du auf das vimeo-Signet drückst, kommst Du direkt auf das vimeo-Portal und kannst den Film sogar in HD-Qualität anschauen.